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Von Tromsø in die Arktis: Forschungseisbrecher „Polarstern“ lässt sich für ein Jahr im Eis einfrieren

Am 20. September 20:30 Uhr ist mit MOSAiC die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten gestartet. Ein Jahrzehnt haben die Vorbereitungen gedauert, nun hat der deutsche Eisbrecher „Polarstern“ den Hafen im norwegischen Tromsø verlassen und begleitet von einem russischen Eisbrecher Kurs auf die zentrale Artkis genommen. Eingefroren im Meereis in einer Region, die im Winter fast unerreichbar ist, forschen Wissenschaftler aus 17 Nationen über 350 Tage. Sie sammeln im Epizentrum des Klimawandels dringend benötigte Daten zur Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Ozean und Meereis sowie zum polaren Ökosystem mit dem Ziel, die Klimaforschung auf ein neues Niveau zu heben und Ursachen und Auswirkungen noch besser verstehen zu können.

Forscherteam, im Hintergrund: die "Polarstern", Foto: Stefan Hendricks

Denn fest steht: Kaum eine Region auf unserer Erde hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis, und keine andere ist dabei auch nur annähernd so schwer zugänglich. Ganzjährige Beobachtungen waren bis dato schlicht nicht möglich. Mit der MOSAiC-Expedition gelingt erstmals ein moderner Forschungseisbrecher in die Eisdrift, wo er für ein Jahr verbleiben wird und so Forschungen auch im arktischen Winter ganz in der Nähe des Pols ermöglicht. Die Klimaprozesse dort sind das fehlende Puzzleteil für die Erstellung besserer Prognosen zum globalen Klimawandel. Die Arktis ist auch Küche für das Wetter in Europa: Extremwetterlagen in Sommer wie Winter hängen mit Veränderungen in der Erdregion um den Nordpol zusammen.

Die Klimaprozesse in der Arktis sind das fehlende Puzzleteil der Forschung

Die beiden Eisbrecher haben in Sichtkontakt über die Barents- und Karasee Kurs auf die Zentralarktis genommen, wo sie in etwa einer Woche ihre Zielregion erreichen werden. Das erste von insgesamt sechs Teams wird dort eine geeignete, ausreichend dicke Eisscholle (mindestens 1,20 Meter) suchen, um darauf ein komplexes Forschungscamp zu errichten. Auch Flugzeuge müssen hier landen können. Da das Eis immer dünner wird, ist dies die erste Herausforderung. Wenige Tage nach Ankunft wird die Sonne nicht mehr über den Horizont steigen: es ist Eile geboten. Die Forscher müssen sich auf 150 Tage Dunkelheit und Temperaturen bis minus 45 Grad einstellen. Mit dem Packeis driftet das Schiff dann durch die zentrale Arktis.

Gefährliches Unterfangen: 150 Tage Dunkelheit bei bis zu minus 45 Grad

Niemals zuvor gab es eine derart komplexe Arktisexpedition: Versorgt wird das Team von 600 Menschen (die Hälfte davon ebenfalls Wissenschaftler) und einer internationalen Flotte bestehend aus vier Eisbrechern sowie Helikoptern und Flugzeugen. Das Budget der Expedition beträgt rund 140 Millionen Euro, die Hälfte davon übernimmt Deutschland. Erstmals sollen das gesamte Klimasystem in der Zentralarktis erforscht und Daten in den fünf Teilbereichen - Atmosphäre, Meereis, Ozean, Ökosystem und Biogeochemie - erhoben werden, um Einblicke in die vielfältigen Wechselwirkungen zu gewinnen.

Mega-Mission: 140 Millionen Euro Budget, rund 1000 Forscher und Helfer

Die Polarstern wird im Eis eingefroren und dient den Forschern als sichere Unterkunft, während draußen auf dem Meereis unter extremen Bedingungen geforscht wird. Spezielle Eisbär-Wachen sollen vor Angriffen der Tiere schützen. Bis Mitte Dezember bleiben die Wissenschaftler vor Ort, dann werden sie von einem zweiten Team abgelöst. Weitere Versorgungen und Teamwechsel folgen im nächsten Jahr. Im Spätsommer 2020 wird sich die Polarstern aus dem Meereis befreien und Kurs auf ihren Heimathafen nehmen. Mitte Oktober legt sie laut Plan in Bremerhaven an: Hoffentlich mit vielen neuen wichtigen Erkenntnissen!